Heinrich Pachl ist tot
von Marianne Kolarik
Der
Kölner Kabarettist Heinrich Pachl ist in der Nacht von Samstag auf
Sonntag gestorben. Der 69-Jährige litt seit Jahren an Krebs, musste im
März schon einen Auftritt absagen.
Die Nachricht vom Tod des Kölner
Kabarettisten Heinrich Pachl in der Nacht zum Sonntag in seinem Haus in
Nippes spricht sich wie ein Lauffeuer im Freundes- und Bekanntenkreis
herum: Obwohl bekannt war, dass er vor rund zehn Jahren an Krebs
erkrankt war, will man kaum glauben, dass es den „Agenten für
vertrauensstörende Maßnahmen“ nicht mehr geben soll. „Nicht zu fassen“
hieß 1994 sein erstes Soloprogramm, das letzte, mit dem er im März 2011
Premiere feierte, „Das überleben wir!“
Der 1943 im baden-württembergischen
Nordach geborene Kabarettist gehörte zu jenen Zeitgenossen, die sich
immer und überall dort einmischten, wo der „Fisch vom Kopf her stinkt“,
also da, wo die Mächtigen in Politik und Gesellschaft über die Köpfe
der Bevölkerung hinweg agieren. Pachl wusste als einer der Ersten, was
in seiner Wahlheimatstadt schiefläuft und wie man den Verantwortlichen
ein Bein stellt – und zwar mit seiner frappierenden Fähigkeit, Heuchler
und Hochstapler mit Sätzen und Pointen zu attackieren.
Bekannt geworden ist er Ende der
1970er Jahre als „Der wahre Anton“: Zusammen mit Richard Rogler bildete
er ein Duo, das zunächst in Hörsälen, Schulen und auf der Straße für
„Otto Moralnormalverbraucher“ spielte. Für ihr Programm „Absahnierung“,
mit dem Pachl/Rogler im Kölner Schauspielhaus auftraten, erhielten sie
1982 den Deutschen Kleinkunstpreis. Später tourte Pachl mit dem
Kollegen Matthias Beltz über Deutschlands Kleinkunstbühnen, gefolgt von
den legendären „Reichspolterabend“-Auftritten – fünf scharfzüngige
Weltverbesserer, die die Chronik des laufenden Schwachsinns
fortschrieben.
Dabei war Pachl nicht „nur“ ein
Polit-Kabarettist reinsten Wassers, er arbeitete außerdem als
Filmemacher, erhielt 1986 für „homo blech“ den Adolf-Grimme-Preis,
stand als Schauspieler vor der Kamera – etwa 2007 in dem Zweiteiler
„Teufelsbraten“ –, schrieb Bücher, Kolumnen, Features und erfolgreiche
Theaterstücke wie „Köln ist Kasse“, eine Realsatire, in deren Verlauf
der Kölner Klüngel in all seinen Facetten ins Scheinwerferlicht
getaucht wurde.
Er profilierte sich außerdem als
hinterhältiger Teilnehmer von Aktionärsversammlungen. Keine Frage, dass
Köln ohne einen kritischen Geist wie ihn ärmer geworden ist. Spaß und
Spott waren für Pachl keine Gegensätze, verloren gegangene Utopien dazu
da, dafür Schadenersatz zu fordern. Einen Ersatz für ihn wird es nicht
geben. Pachl war mit Li Daerr verheiratet und hat einen erwachsenen
Sohn.
Kölner Stadtanzeiger, 22.04.2012

